Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen

In ihrem neuen Buch denkt Doris Dörrie über das Leben und Schreiben nach, regt zum selber Schreiben an und gibt Einblicke in ihr Leben. Oder in das Leben einer Erzählerin namens Doris Dörrie, wer weiß das schon genau?

Wer ist die Autorin?
Doris Dörrie ist als Regisseurin und Schriftstellerin hinlänglich bekannt. Ihren ersten großen Erfolg landete sie 1985 mit der Komödie „Männer“. Es folgten viele weitere Filme, darunter jüngst „Kirschblüten & Dämonen“. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane, Kurzgeschichten und Kinderbücher. Außerdem unterrichtet Doris Dörrie Creative Writing an der Filmhochschule München.

Für wen ist das Buch gedacht?
Das Buch richtet sich an alle, die gern lesen, schreiben und spielen. Es ist für Leserinnen und Leser gedacht, die episodenhafte Erzählungen mögen und für jene, die selbst schreiben oder endlich damit anfangen wollen. Doris Dörrie lädt ihre Leser ein, in kleine Szenen abzutauchen, selbst zum Stift zu greifen und auf dem Papier zu verreisen. Dabei gibt sie Anregungen für das autobiographische Schreiben, ebenso wie für die kreative Pause zwischendurch. Wer immer schonmal etwas aus seinem Leben zu Papier bringen wollte, kann sich von den einzelnen Kapiteln inspirieren lassen. Wer gerade in einen Roman oder einer Erzählung feststeckt, der erhält kreative Anstöße, um wieder in Schwung zu kommen und die Lust am Schreiben neu zu entfachen.

Worum geht es?
Es geht ums Leben und Schreiben, um kleine Momente und große Gefühle. Jedem Kapitel ist ein assoziativer Begriff vorangestellt, um den herum sich eine kurze Geschichte entspinnt. Doris Dörrie schreibt über den Dampfkochtopf ihrer Mutter und über verlorene Dinge, den Geruch einer bestimmten Seife und über Musik. In ihren Texten geht es um die erste Liebe, die beste Freundin, ums Reisen oder die Kruste von frischem Brot. Die kurzen Texte sind wie bunte Flicken, die an einigen Stellen aneinander stoßen. Daraus ergeben sich Zusammenhänge und neue Assoziationen. Am Ende jeden Kapitels widmet Dörrie sich in einem kurzen Abschnitt dem Schreiben selbst. Sie denkt darüber nach, was es für sie selbst bedeutet, wodurch es gehemmt oder ermöglicht wird. Ihre Leser lädt sie ein, mit dem Stift in der Hand in eigenen Erinnerungen zu stöbern und gibt kreative Anregungen.

Warum lohnt sich das Lesen?
Erst einmal: Weil Doris Dörrie interessant und kurzweilig schreibt. Es macht Spaß, der Erzählerin auf ihrer mäandernden Reise durchs eigene Leben zu folgen, vom Schulweg über die erste Liebe bis zur Reise in die USA und dem Familienleben. Beim Lesen – und das ist der zweite Grund – entsteht eine unbändige Lust, selbst etwas aufzuschreiben: Über den Schulweg, die erste Liebe oder die Familie. Was daraus wird, bleibt offen. Schreiben, so vermittelt Doris Dörrie es in ihrem Buch, ist ein Spiel. Man beginnt es ohne festes Ziel und ohne zu wissen, wohin es einen führen wird. Schreiben hilft dabei, das eigene Leben bewusst wahrzunehmen. Es legt verschüttete Erinnerungen frei. Schreiben kann trösten, kann schmerzhaft oder lustvoll sein. Und es funktioniert am besten, wenn ich einfach immer weitermache. Egal, ob mein Text wahr oder klug ist, bedeutend oder hübsch formuliert.  
Zu dieser Reise ins eigene Leben und Schreiben lädt Doris Dörrie ein, ohne zu drängen. Wer einfach nur ein bisschen Schmökern will, kann das auch tun. Wer dabei Lust bekommt zum Stift zu greifen – umso schöner!  

Doris Dörrie: Leben Schreiben Atmen. Eine Einladung zum Schreiben, Diogenes Verlag 2019

Auf der Autorentagung narrativa am 2./3. Oktober 2020 in Frankfurt hält Doris Dörrie den Abschlussvortrag.