Andreas Thalmayr: Schreiben für ewige Anfänger. Ein kurzer Lehrgang

Wer ist der Autor?
Andreas Thalmayr ist eines der Pseudonyme Hans Magnus Enzensbergers. Der 1929 geborene Schriftsteller und Intellektuelle hat unter diesem Namen bereits mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Lyrik nervt! – Ein Erste-Hilfe-Buch für alle, die meinen, daß sie nichts mit Gedichten anfangen können“. Diesmal schlüpft Enzensberger alias Thalmayr in die Rolle eines Nebenerwerbs-Schriftstellers, der einem jüngeren Kollegen in 27 Briefen erklärt, worauf es in seinem Beruf und im Literaturbetrieb ankommt.

Für wen ist das Buch gedacht?
Wie der Titel schon sagt: Das Buch richtet sich an ewige Anfänger – und das sind alle, die schreiben. Denn mit jedem Brief, jedem Text oder Buch beginnt die Arbeit wieder von vorn. Wer Freude an amüsanten, mitunter bissigen und garantiert subjektiven Betrachtungen über Verleger und Autorenpersönlichkeiten, Nebenrechte und die Herkunft der Widmung hat, für den ist dieses Buch gedacht.

Worum geht es?
Einen kurzen Lehrgang verspricht der Autor im Untertitel. Kurz ist der Text mit seinen knapp 100 Seiten tatsächlich. Thalmayr erzählt von Selfpublishing im vordigitalen Zeitalter, sinniert über den Kleinverleger als Trüffelschwein des Literaturbetriebs oder erklärt, warum das Poem wohl niemals aussterben wird, auch wenn sich kein Geld damit verdienen lässt. Über Einstiege oder Dialoge, Erzählperspektiven oder Figuren erfährt der Leser dagegen nichts, und das aus gutem Grund, wie der Autor versichert. So etwas wie eine „Technologie“ gebe es in der Literatur gar nicht. „Sämtliche Regeln der Poetik sind widerlegbar“, heißt es schließlich im letzten Brief.

Warum lohnt sich das Lesen?
Neben der ständig wachsenden Zahl an Ratgebern mit Tipps für angehende Schriftsteller – über deren Lektüre man glatt das Schreiben selbst vergessen könnte – ist „Schreiben für ewige Anfänger“ ein kluger und unterhaltsamer Anti-Ratgeber.

Die Kernthese …
… gibt es nicht. Thalmyars Briefe schreibender Erzähler plaudert und doziert, sinniert und ereifert sich. Immer geht es dabei um Nebensachen, die im Literaturbetrieb „mehr ins Gewicht fallen als das, was Sie persönlich wichtig finden“, wie der erfahrende Schriftsteller seinem jungen Kollegen versichert.

Das Besondere
Thalmayrs Text ist ein amüsanter Essay über den Literaturbetrieb im Allgemeinen und seine Protagonisten, die Schriftsteller, im Besonderen. Der Leser verfügt nach der Lektüre über keinen Zehn-Punkte-Plan fürs nächste Buch, dafür hat er geschmunzelt, gelacht, über dieses und jenes nachgedacht – und vielleicht auch Inspirationen seine eigenen Texte gesammelt.

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